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Franz Schwazer
Bericht und Bilder einer Kaiserkoryphäe

Porträt

Unterwegs zum Totenkirchl. Zum 80. Geburtstag kletterte Franz Schwazer gemeinsam mit Kollegen " darunter Paul Gruber (Bild rechts) " über die Stöger-Geschwentner-Route auf seinen Hausberg.

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Retter

Vor jeglicher Art von Heldengeschichten hat der 81 Jahre alte Bergretter Franz Schwazer so seine heilige Scheu. Da nützt kein hartnäckiges Nachfragen und kein noch so gewundener Versuch, unversehens durch die Hintertür ins Feld seiner Erinnerung zu schlüpfen. Keine Heldenepen, keine Abenteuergeschichten

über heroische Einsätze gegen das Wüten des Sensenmanns und die Unbarm-

herzigkeit der Elemente. Schade eigentlich. Ruhig sitzt er vor einer handvoll

Fotos, mehr hat er nicht. Worüber er einzig und allein erzählen will, ist die Leistung eines Kollektivs.

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Klettertour zum Achtzigsten

Franz Schwazer ist schmal, drahtig und unglaublich zäh. Auch nach acht Jahrzehnten prall gefüllten Lebens ist der WegRichtung Gipfel für den ewigen Bergfex noch immer selbstverständlich. Zum 80.Geburtstag kletterte er mit einer Seilschaft von Bergretter-Kollegen auf seinen "Hausberg", das Totenkirchl. "Ist tadellos gegangen" ,kommentiert er mit einer Gelassenheit, mit der andere die Semmel vom Bäcker holen. 1950 stieß er als Anwärter zurOrtsstelle Kufstein. Es waren schwierige Jahre damals nach dem Krieg. Was den organisierten

Rettungsdienst im Gebirge betraf, war für Schwazer als Mitglied des Alpenvereins "die Not am Mann" unübersehbar. Das Gefühl, gebraucht zu werden, geriet zum beständig treibenden Rückenwind in seinem Leben. Denn ohne die Bereitschaft von Freiwilligen "sähe es auf der Welt ganz anders aus", ist er überzeugt.

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1969 bis 2003 führte Schwazer die Ortsstelle Kufstein und verhalf dieser zu eigenen Räumlichkeiten. In seiner Ursprungsheimat Südtirol betätigte er sich als Geburtshelfer für die Ortsstellen Ridnaun und Ratschings. Und 28 Jahre lang vertrat er den Bezirk Kufstein in der Landesleitung. Keiner einzigen Sitzung hat er dort gefehlt.

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Faktor Zeit

Als Franz Schwazer vor einem halben Leben und länger zur Bergrettung kam, war Mobilität eine Frage guten Schuhwerks und der Kraftübertragung auf zwei Pedale. Autos standen kaum zur Verfügung, die Hubschrauber-Technologie war noch fern vom allgemeinen Gebrauch als effizientes Rettungsinstrument. Als "ordentliche Schinderei" beschreibt Franz Schwazer die damaligen Bergungen, die zumeist mit enormem Zeit- und Kraftaufwand verbunden waren.

Das Abseilen über schroffe, gnadenlos steile Felshänge mit einem Verwundeten auf dem Rücken war Teil des Bergretter-Alltags,Schluchten wurden mit einer selbst geknüpften "Seilbahn" überbrückt. Dank "Franz Schwazer ist Bergretter aus tiefster innerer Überzeugung und dies seit 58 Jahren. Wer "A sagt, muss auch B sagen", beschreibt der Kufsteiner schnörkellos einen Lebensweg entlang unerschütterlicher Konsequenz.

Der Technik gelingen Einsätze heute mit einem Bruchteil jenes Aufwands, der einst vonnöten war. Schwazer weiß um die Segnungen des Fortschritts in Form von Hubschraubern, Handys und Automobilen. Im Bewusstsein um den lebensentscheidenden Faktor Zeit sorgte er als Ortsstellenleiterin den 70erJahren in der Steinernen Rinne (beim Ellmauer Tor) für die Errichtung einer Notrufsäule. Die schweren Stahlseileund Umlenkrollen, die im Notfall mit viel

Mühe und Schweiß den Berg hinauf geschleppt werden mussten, ließ er auf mehreren Gipfeln in Kästen deponieren. Nur ab und zu blitzt die Emotionswelt

des Menschen Franz Schwazer hervor wie ein gut zu hütendes Geheimnis. Etwa

dann, wenn er vom Wandel des Licht- und Farbenspiels auf den heißgeliebten Bergen schwärmt. Oder wenn es ihm sichtlich wohl tut zu berichten, dass ein Bergretter heute mit wesentlich weniger Totbergungen konfrontiert ist als einst. "Der erste Tote war schon ein Schock", sagt er knapp. Einen solchen wollte er "den Jungen" immer ersparen, vom "Einsackeln" der oft arg zerschundenen Körper hielt er sie fern.

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Vom Hanf- zum Perlonseil

Als Kletterer ihr Leben noch an Hanfseile hängten, war das Risiko eines Risses

um ein Vielfaches höher. Die Dehnbarkeit der strapazierfähigeren Seile aus Perlon war dennoch gewöhnungsbedürftig, berichtet Franz Schwazer von einer ersten, mit Skepsis durchsetzten Probetour in Südtirol. Auch das Tragen von Helmen, heute selbstverständlich, war fast schon exzentrisch: So manch innovativer Geist griff zum Bauhelm, um sich bei Klettertouren vor Steinschlag

zu schützen. "Zugegeben, wir haben das ein bisschen belächelt", gesteht Schwazer die Irrtümer der Eitelkeit.

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Beruf und Berufung

Nostalgie atmet, wer durch die ehemalige Trachtenschneiderei Franz Schwazers

geht, die heute sein Neffe leitet. Hier ließ Schwazer Schere und Nadel fallen, um dem eindringlichen Ruf des Piepsers zu folgen und Verletzte vom Berg zu holen. Oder sich bei Sirenengeheul bei den Floriani-Jüngern einzufinden. Denn Schwazer ist auch Feuerwehrmann und heute noch bei Einsätzen dabei. Die Berufung wog für ihn stets mehr als der Beruf, über die Befindlichkeit seines

Geldbeutel hat er nie wirklich nachgedacht. Im Gedächtnis geblieben sind ihm

aber Worte zynischer Kritik: "Du bist überall dabei, wo du nix verdienst." Geantwortet hat Schwazer mit nüchterner Gelassenheit:

"Du bist nirgendwo dabei und hast auch nicht mehr."
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Bergeübungen anno dazumal: Mit der "Seilbahn"

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